Kaminabend mit Sergij Osachuk

VÖT-Event
12. 11. 2025 Österreichische Botschaftsresidenz, 18.00 Uhr

Wir freuen uns, Sie zu einem weiteren Kaminabend in die österreichische Botschaftsresidenz einladen zu dürfen.

Dieser Abend werden wir dem russisichen Angriffskrieg auf die Ukraine widmen. Ich freue mich, dass Dr. Sergij Osachuk unserer Einladung gefolgt ist.

Sergij Osatschuk wurde am 7. Juni 1972 in Czernowitz / damals Ukrainische Sozialistische Republik in der Sowjetunion geboren.

1989 begann er sein Studium an der Fakultät für Geschichte der Czernowitzer Universität. Von den fünf Studienjahren, in denen das Hauptaugenmerk auf der Osteuropäischen Geschichte, der Geschichte Österreich-Ungarns sowie der Bukowina lag, waren zwei deutlich voneinander getrennt: einerseits noch geprägt von der sowjetischen Ideologie, andererseits seit Ende 1991 von der freien Ukraine.

Dies bedeutete die Öffnung nach Westen und neue Kontakte zu den westlichen Staaten.

Während des Studiums wurde er auch als Dolmetscher für die deutsche Sprache ausgebildet und absolvierte am Militärinstitut der Universität die Ausmusterung zum Offizier der ukrainischen Armee als Artillerieoffizier.

Nach dem Abschluss des Hauptstudiums begann er mit der Arbeit an seiner Dissertation zum Thema „Deutsches Vereinswesen in der Bukowina vor dem Ersten Weltkrieg“. Für die Vorbereitung der Dissertation absolvierte er Forschungs- und Studienaufenthalte als Stipendiat des OeAD in Wien und des DAAD an der LMU in München.

1996 begann er seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Czernowitz, promovierte 1999 und unterrichtete einige Jahre an der Historischen Fakultät seiner Universität. Bis 2010 setzte er seine wissenschaftliche Laufbahn am Zentrum für Bukowina-Forschung an der Czernowitzer Universität fort.

Parallel zur wissenschaftlichen Arbeit musste er den Lebensunterhalt bei verschiedenen ukrainischen und ausländischen Unternehmen verdienen. Dank seiner Deutschkenntnisse sowie seiner historischen und politikwissenschaftlichen Kompetenz fungierte er seit 1999 als Konsulent, Dolmetscher und Berater für den Czernowitzer Bürgermeister, die staatliche Gebietsverwaltung, das Amt des Gouverneurs und den Bukowiner Landtag.

Er war Mitbegründer und Vorsitzender zahlreicher Vereine und zivilgesellschaftlicher Gremien, darunter Präsident des Stadtrates für den Erhalt und Schutz des Kultur- und Architekturerbes der Stadt Czernowitz.

Nach 2010 folgten Jahre aktiver wirtschaftlicher Tätigkeit bei einem ukrainischen Handelsunternehmen im Außendienst.

Durch zahlreiche Projekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Institutionen in Wien und im Land Kärnten sowie mit dem Bezirk Schwaben in Bayern etablierte er sich als eine der wichtigsten Kontaktpersonen für die Zusammenarbeit von Czernowitz und der Bukowina mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2014 wurde dieser de facto-Status auch de jure bestätigt, als er durch den österreichischen Bundespräsidenten zum Honorarkonsul der Republik Österreich ernannt wurde.

Die Jahre 2014–2019 waren geprägt vom russischen Angriff und der Annexion der Krim sowie Teilen der Ostukraine. Dies führte zu einer mehrjährigen analytischen Kooperation mit dem Institut für Krisenforschung an der Landesverteidigungsakademie in Wien, verbunden mit Publikationen, Symposien und Diskussionen.

Im Herbst 2019 erhielt er das Angebot des neu gewählten ukrainischen Präsidenten Selenskyj, den Posten des Gouverneurs – Leiters der staatlichen Gebietsverwaltung / Landesregierung der Bukowina – zu übernehmen.

Es war eine Stunde der verantwortungsvollen Entscheidung. Ohne Zögern sagte er zu, da es ihm die Möglichkeit gab, seinem Land nach bestem Wissen und Gewissen zu dienen – nicht mehr als Berater und Aktivist, sondern an der Spitze der Exekutive neue Verwaltungskultur, Transparenz sowie die Motivation der Menschen zur Mitwirkung an der Gestaltung einer modernen Ukraine zu fördern.

Trotz der COVID-19-Pandemie, die in Czernowitz ihren ersten Fall in der Ukraine brachte, und trotz der zerstörerischen Hochwasser im Sommer, gelang es, die Verwaltungsreform abzuschließen, Kommunal- und Regionalwahlen durchzuführen und den großen Modernisierungsplan Selenskyjs im Straßenbau, im Sozialwesen und im Gesundheitssystem umzusetzen – stets mit Blick auf den kommenden Krieg: Aufbau von Reserven, Aufstellung einer Territorialverteidigungsbrigade, Übungen und Trainings für Beamte und Reservisten, da der Gouverneur auch Befehlshaber seiner Region ist.

Der Kampf gegen das korrupte mafiöse System in der Bukowina stand dabei immer auf der Tagesordnung. Drei Jahre lang stand ihm Präsident Selenskyj zur Seite – und es gab durchaus Erfolge.

Der große Angriff Russlands im Februar 2022 war nur auf menschlicher Ebene überraschend, weil jeder bis zuletzt gehofft hatte, dass er nicht stattfinden würde. Verantwortliche Beamte wussten jedoch, dass er kommen würde. Der Vernichtungskrieg veränderte alles: Er wurde zum Militärgouverneur der Bukowina, alle bewaffneten Kräfte der Region standen unter seinem Kommando, der Verteidigungsrat nahm seine Arbeit auf. Während Soldaten, Eingezogene und Freiwillige an die Front zogen, suchten Hunderttausende Kriegsflüchtlinge in der Bukowina Zuflucht vor Bomben und Raketen.

Im Juli 2022 legte er – trotz des Krieges – sein Amt nieder, meldete sich freiwillig als Reserveoffizier und ging selbst an die Front, nachdem er zuvor ein halbes Jahr lang die Mobilisierung der Bukowiner organisiert hatte. Fast drei Jahre diente er an der Ostfront als Offizier des ukrainischen Grenzschutzes.

Seit April 2025 wurde er direkt von der Ostfront an die Botschaft der Ukraine in Prag entsandt, um die kämpfenden Einheiten des Grenzschutzes mit Munition und allem notwendigen Material von dort aus zu unterstützen.

Er ist seit 30 Jahren mit Ludmila Osatschuk verheiratet, die als Wirtschaftsberaterin und Steuerprüferin in Czernowitz tätig ist und 2023 vom österreichischen Bundespräsidenten zur österreichischen Honorarkonsulin in Czernowitz ernannt wurde.

Das Ehepaar hat zwei Söhne, Vitalij und Jurij.


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